· 

Meine Nachmittage mit Eva

Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Erfahrungswelten: Bärbel Schäfer und die 85-jährige Eva Szepesi. Eva trägt eine tätowierte Nummer auf dem Unterarm. Sie war erst elf Jahre alt, als sie allein vor den Nazis fliehen musste und schließlich nach Auschwitz gebracht wurde ... Jeden Mittwoch besucht Bärbel Schäfer ihre Freundin, und die beiden sprechen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz, Geborgenheit und Respekt. Es geht in diesem Buch um eine der letzten Überlebenden eines Konzentrationslagers.

Bärbel Schäfer gelingt es auf empathische Weise und literarisch brillant, ihre eigene Lebensgeschichte vor den Erzählungen Evas zu spiegeln und damit ihre erschütternden Erfahrungen ins Heute zu holen.

 

Mein Fazit:

Der Krieg interessierte mich schon immer. Unser Deutschlehrer in der Berufsschule konnte wunderbar erzählen, von Soldaten, Panzern und Schützengräben. Wie oft haben wir anstatt Verben konjugiert, seinen Erzählungen gelauscht. Begeistert klebten wir an seinen Lippen.

Filme über den Krieg hasste ich schon immer. Wir haben viele davon in der Schule geschaut. Schauen müssen. Ich habe immer weg geschaut, es war mir zu brutal. Wieso machen die das? Wieso zeigen die uns dies? Ich habe Albträume von diesen Szenen! Die Antwort ist Wahrscheinlich Abschreckung. Sowas wie damals soll nie wieder vorkommen!

Auch wenn die Kriegsfilme mich verstört und mir unzählige schlaflose Nächte beschert haben, habe ich mein Interesse am Geschehenen nicht verloren. Was war damals nur in den Köpfen der Menschen los? Wie lebten sie – besonders die Verfolgten?

Aufgrund dieser Frage bin ich überaus dankbar, das Rezensionsexemplar von Bärbel Schäfers Werk Meine Nachmittage mit Eva gelesen haben zu dürfen.

 

Der Schreibstil ist einzigartig. Speziell ist vielleicht das treffendere Wort. Die Erzählung erinnert mich teilweise mehr an ein Gedicht, als an ein Buch. Das soll keine Kritik sein! Ich habe die Lektüre gerne gelesen. Ich fand es spannend und schockierend zugleich, was Eva schilderte. Das Leben als Judenmädchen im Lager. Es ist wie mit einem Film, Du weisst, die Sätze zeigen das wahre, unfassbare Leben und eigentlich willst Du diese Grausamkeiten gar nicht wissen. Dennoch liest Du. Denn Du willst es wissen. Es geht mir wie der Autorin, ich will die verschwiegenen Details hören. Vielleicht verstehen, obwohl es nichts zu verstehen dabei gibt, was die Leute unter Hitler anrichteten!

 

Ich empfehle das Buch allen, die nach Antworten suchen. Hier bekommst Du keine auf die Frage Wieso, aber auch sonst nirgends. Niemand wird wahrscheinlich je eine Antwort finden auf das Wieso?, aber für die Frage Wie war es? gibt es in diesem Buch Antworten. Anschaulich, aber nicht zu brutal.

 

Danke Eva, dass Du Dich geöffnet hast. Danke Bärbel, dass Du es niedergeschrieben hast. Abschliessen möchte ich mit diesem wundervollen und treffenden Zitat aus dem Buch:

 

„Werden wir nicht glücklicher, wenn wir Wärme und Liebe geben, statt Hass und Gewalt zu säen?

Welche Welt und welche Werte wollen wir unseren Kindern vorleben?“

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0