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Der Zauber zwischen den Seiten

Ein Roman von Cristina Caboni

Darum geht es:

Seit sie denken kann, ist Sofia von Büchern fasziniert. Sie liebt das Rascheln der Seiten, den Geruch des Papiers und vor allem die darin beschriebenen Welten. Schon immer haben sie der schüchternen Frau geholfen, der Realität zu entkommen, denn von ihrem Umfeld fühlt sie sich oft missverstanden. Als sie eines Tages in einem Antiquariat ein altes Buch kauft, findet sie darin enthaltene Manuskripte und Briefe einer gewissen Clarice, die Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt haben soll. Sofia und Clarice scheinen viel gemeinsam zu haben, und Sofia spürt eine Verbindung zu dieser fremden Frau. Um mehr über sie zu erfahren, reist Sofia quer durch Europa. Dabei stößt sie nicht nur auf eine unglaubliche Liebesgeschichte, sondern findet endlich auch ihr eigenes Glück …


Sie betrat die Bibliothek, wo sie der Geruch nach altem Papier und Leder empfing. Sie liebte diesen besonderen Duft, der vor vielen Jahren über ihre Berufswahl entschieden hatte. Sie strich über das abgegriffene, leicht vergilbt Papier. Manche Seiten waren beschädigt, die Leser hatten ihre Spuren hinterlassen. Winzige Risse, Knitterfalten, dazu Zettel und eine getrocknete Blume.


Ein Buch über eine Frau die Bücher liebt - ich fühlte mich sofort dazu verpflichtet, diese Lektüre über jemanden, der Bücher genauso liebt wie ich, zu lesen!


Die Geschichte spielt in Rom und als Leser bekommt man die Stadt in wunderschönen, bilderhaften Worten serviert.
Die junge Hauptprotagonistin hat endlich den Mut gefasst, sich von ihrem Mann zu trennen. Kein einfacher Schritt, da sie hat ihm zuliebe vieles aufgegeben hatte. Dennoch spielte Sofia schon geraume Zeit mit dem Gedanken, endlich wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Beim Besuch eines altbekannten Büchergeschäfts lernt sie den alten und buchvernarrten Mann kennen, der diese nun führt. Überraschend schenkt er ihr ein Buch ihres Lieblingsautors Christian Fohr, welches allerdings uralt und kaputt ist, scheinbar dem Zerfall nahe. Doch genau das reizt Sofia, denn sie möchte das Buch restaurieren – eine Möglichkeit, eine ihrer aufgegebenen Leidenschaften wieder auferstehen zu lassen. Dabei stösst sie auf den Brief einer gewissen Clarice; es ist der Anfang eines Geständnisses über ein gut gehütetes Geheimnis…
Und genau dieser Brief- oder vielmehr das, was er mit sich bringt, bewegt Sofia dazu, ihr Leben neu zu ordnen, selbstständig zu werden und endlich wieder das zu tun, was sie liebt: sich mit Büchern umgeben!


Nicht die Zukunft ist es, die das Gehirn des Menschen beschäftigt. Das Grab der Vergangenheit ist es. Mit seinem Hunger nach mehr lässt es keinen Raum, Pläne für das Morgen zu machen. - Toni Morrison


Die Suche nach den ergänzenden Teilen des Briefes führt Sofia jedoch nicht nur nach Deutschland, sondern auch in die Arme eines reizenden, italienischen Gentlemans namens Tomaso. Der Grafologe soll ihr helfen, die merkwürdigen Notizen in besagtem Buch einer Person zu zuordnen – war das Buch nicht nur in den Händen von Clarice?

Und schon bald erwachen sowohl in ihm, als auch in Sofia unerwartete Gefühle. Zu diesem Zeitpunkt allerdings ahnen beide noch nicht, wie verworren sowohl die Geschichte der Briefverfasserin ist, sondern auch die ihrer beider Familien – und auch wissen sie nicht, dass sie dies zur Lösung des Rätsels rund um Clarice, Christian Fohrs Buch und der zahlreichen Randnotizen nutzen können.

 

Meine Meinung:

Sofia erscheint mir als eine sehr sympathische Protagonistin, mit der man sich hervorragend identifizieren kann. Tomaso hingegen scheint seine eigenen Probleme und dunklen Geheimnisse zu bergen und man ist sich anfangs unsicher, ob man ihm trauen kann, beziehungsweise ob man der Hauptprotagonistin eine Liebesbeziehung mit ihm wünschen würde.


Die Geschichte hat mir grundsätzlich zugesagt, ein tolles Buch für gemütliche Lesestunden!

Allerdings waren mir Ausschnitte der sich entwickelnden Gefühle zwischen Tomaso und Sofia ein wenig zu seicht, zu romantisch – zu oft dagewesen vielleicht? Im Grossen und Ganzen jedoch ist diese Lektüre perfekt für jeden, dessen Leidenschaft Bücher sind und somit auch ein wunderbares Geschenk für eine buchvernarrte beste Freundin oder einen Lesewurm-Kumpel.


Bücher erzählen nicht nur Geschichten, sie sind Kunstwerke. Kunst ist eine der wichtigsten Eigenschaften menschlicher Genialität, zusammen mit Kreativität. Ohne sie sind wir Nichts.


Nebenbei erwähnt ist das Buch mit herrlichen Zitaten gespickt. Man lernt nie aus! – und genau deshalb will ich mit einer Lektion von Sofia abschliessen, die für mich die Zentralste in diesem Buch war:


Ich hatte bisher immer Licht und Sonne mit Glück assoziiert, umso überraschter war ich zu lernen, dass nicht die äusseren Umstände, sondern die innere Einstellung zum Leben entscheidend war. Glück ist eine Herzensangelegenheit, die mit Sonne oder Regen nichts zu tun hat.


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