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Das Schiff der Träume

Ein historischer Roman von Martha Conway

 

Darum geht's:

1838 auf dem Ohio River: May Bedloe arbeitet als Schneiderin für ihre Cousine Comfort Vertue, eine gefeierte Schauspielerin. May hatte nie das Bedürfnis, im Scheinwerferlicht zu stehen, und ist mit ihrem einfachen Leben zufrieden. Doch dann trennt sich Comfort überraschend von May, und zum ersten Mal in ihrem Leben ist diese ganz auf sich allein gestellt. Aus der Not heraus heuert sie auf Hugo Cushings Theaterschiff an – und blüht auf. Denn die bunte, exotische Truppe, die ihr dort begegnet, lässt sie endlich zu sich selbst finden. Als ihr dann noch Hugo selbst Avancen macht, scheint ihrem Glück nichts mehr im Wege zu sein. Doch gerade als May ihren Platz im Leben gefunden zu haben glaubt, wird sie vor die größte Herausforderung ihres Lebens gestellt …

 

„Naja, wir Theatermenschen sind nicht gerade dafür bekannt, dass wir sagen, was wir denken. Wir sagen eher das, von dem wir wünschen, es sein wahr.“

 

Die Geschichte :

 …wird aus der Sicht von May geschrieben und doch erscheint es nicht wie eine typische Biografie. Die Hauptprotagonistin ist eine sympathische, junge Frau, ein wenig zu ehrlich, ein wenig zu direkt. Damit eckt sie auch häufig an und doch kann man sich als Leser gut in sie hineinfühlen.

 

„Damals und noch lange danach wäre mir nie eingefallen, dass meine Erinnerungen überhaupt für irgendjemanden interessant sein könnten.“

 

Die ehrgeizige May kennt kein anderes Leben als das im Schatten ihrer Cousine Comfort, deren grosse Liebe die Aufmerksamkeit und der Mittelpunkt ist. Das erste Mal auf sich alleine gestellt, findet May ihren Weg jedoch ohne Probleme, sie freundet sich mit den Schauspielern auf dem Theaterschiff an und blüht in ihrer Aufgabe komplett auf. Doch wie immer wenn alles so erscheint, als könne es fast nicht besser sein, kommt ein Schlag – im Falle von May ein Stück Vergangenheit, eine Schuld, die sie nun bezahlen muss.

 

„Haben Sie nach einer Theatervorstellung das Gefühl, betrogen worden zu sein?

Nein.

Vielleicht gefiel Ihnen die Vorstellung, vielleicht nicht, aber Sie sehen sie nicht als eine Lüge.., sie ist eher ein Fenster. Und Sie sind die Komplizin. Sie wollten durch dieses Fenster schauen und haben es getan.“

 

Meine Meinung :

 May war mir aufgrund ihrer kompromisslos ehrlichen Art von Anfang an sympathisch. Doch genau diese aufrichtige, herzensgute Art wird ihr zum Verhängnis, als jene genannte Schuld sie einholt. Besonders in einer Zeit, in der die Haltung, Ausbeutung und Verfolgung von schwarzen Sklaven den Norden und Süden sowie die Leute spaltet. Manchmal möchte man May den Mund zuhalten, möchte ihr helfen, sich mit einer Lüge wohl zu fühlen oder ihr raten, über ihre grosse Hilfsbereitschaft hinweg zu sehen. Dennoch bewunderte ich die junge Frau während der ganzen Lektüre für ihren Mut und ihren Wille, und freute mich, als sich für sie doch alles zum Guten wenden würde – obwohl mir das mehr oder minder offene Ende mehr wie ein Cliffhanger zum nächsten Band erscheint.

Ob es ein Nächstes Band gibt? Weiss ich nicht... Aber ich würde es mir kaufen!

 


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