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Zwischen uns ein ganzes Leben

Manchmal sieht man ein Buch und hat das Gefühl, es kaufen zu müssen. So ging es mir mit diesem historischen / teils biografischen Roman von Melanie Levensohn.

Ich war in einem süssen Buchladen in Friedrichshafen, wo ich einen wunderbaren Tag mit meinem Götti (zu dt. Patenonkel) verbrachte. Dort habe ich dieses wunderbare Buch gekauft.

 

Darum geht es:

Paris, 1940: Für die jüdische Studentin Judith wird es unter der deutschen Besatzung immer gefährlicher. Zusammen mit ihrer großen Liebe Christian, Sohn eines Bankiers, plant sie heimlich die Flucht. Doch plötzlich ist sie spurlos verschwunden. Mehr als fünfzig Jahre später in Washington: Auf Jacobina lastet ein Versprechen, das sie ihrem Vater gegeben, aber ihr Leben lang nicht eingelöst hat. Sie soll ihre unbekannte Halbschwester Judith finden. Jetzt bleibt ihr nicht mehr viel Zeit. Da trifft sie auf die junge Französin Béatrice. Die beiden Frauen freunden sich an. Gemeinsam machen sie sich auf eine Suche, die sie weiter führt, als sie je erwartet hätten …

 

Die Geschichte & meine Meinung:

Bildquelle: Google Books
Bildquelle: Google Books

Wie ich schon so oft in meinen Rezensionen berichtet habe, interessiert mich die Geschichte der Weltkriege. Nicht so, als dass ich aktiv recherchieren würde, aber ich lese sehr gerne Geschichten darüber und lerne so das ein oder andere. Begeistert für diese Zeit hat mich mein leider verstorbene Deutschlehrer, ein toller Mann!

Die Geschichte wird unterteilt erzählt. Man taucht sowohl ins Leben der Jüdin Judith ein, als auch ins Leben der in Amerika lebenden Französin Béatrice. Man mag beide Frauen sofort, besonders mit Béatrice konnte ich mich identifizieren. Die junge Frau arbeitet für die Weltbank und bangt aufgrund eines Missverständnisses um ihren Job. Doch von ihrem älteren Freund bekommt sie keine Anteilnahme - dieser ist viel zu beschäftigt mit seiner pubertierenden Tochter. Zu all dem kommt, dass Béa überraschend schwanger wird. Was ihren Lebenspartner alles andere als begeistert. Der Stress ist zuviel und die junge PR-Angestellte erleidet eine Fehlgeburt.

Was sie während dieser Zeit aber aufrichtet, ist die Arbeit bei einer Stiftung, die sich für Arme einsetzt. Hierbei hat sie Jacobina kennengelernt. Eine alte, kranke Frau, die auf Hilfe angewiesen ist. Bei Tee und Kuchen gelingt es Béa, mehr über die Krebskranke herauszufinden. Und stösst so auf die Geschichte deren Halbschwester Judith.

 

Deren Geschichte wird parallel dazu erzählt. Die Jüdin lebt in Frankreich, zusammen mit ihrer Mutter. Als die Deutschen einfallen, wird alles knapp. Die beiden Frauen "leben" gerade noch so. Doch dann lernt Judith Christian kennen - ein charmanter, junger Student aus gutem Hause. Das klassische Märchen - allerdings ohne Happy End.

Judiths Mutter begeht Selbstmord und Judith gelingt es zwar einige Jahre sich zu verstecken, doch dann wird sie gefunden und nach Auschwitz deportiert.

 

So sass ich in den edlen Stoffen, die Christian seiner Mutter gestohlen hatte, in einer herunergekommenen Dachkammer vier Stockwerke über Christians Vater, einem Kollaborateur und Judenfeind, und warte auf einen Tag in einer fernen Zukunft. Wie absurd und grausam das Leben doch war!

 

In der Gegenwart will Béa der armen, alten Jacobina helfen, Judith zu finden. Dabei lernt sie den Franzosen Grégoire kennen und lieben. Eine wunderbare Liebesgeschichte scheint sich anzubahnen, aber wie sagt man: Zuviel des Guten ist auch nicht gut?

 

Das Buch hat mich überraschenderweise so sehr gefesselt wie ein spannender Thriller. Ich habe es im Handumdrehen fertig gelesen. Empfehlen würde ich diese Lektüre jedem, der auf nicht kitschige Liebesgeschichten steht und auf Happy Ends verzichten kann, aber doch ein schönes Ende mag. Das klingt sehr wiedersprüchlich - richtig? Wieso ich es aber so sage, musst Du selbst herausfinden!

 

Europa lag in Schutt und Asche. Es gab kein Zurück. Auch nicht zu Christian. Es war zu viel passiert, was uns trennte. Ich hatte nichts mehr mit demjungen, fröhlichen Mädchen gemeinsam, das in der Bibliothek Bücher verteilt hatte. Ich würde ihn aber immer lieben. Aber lieben hiess auch loslassen. Ich musste mit der Vergangenheit brechen, um wieder leben zu lrnen.

 

In einem Satz...

Zwischen uns ein ganzes Leben ist tragisch, schmerzhaft, wunderschön und nachdenklich zugleich. Ein Buch, welches man nicht einfach so weglegt und eines, an das man sich noch lange erinnern wird.

 


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