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Die Entdeckung der Currywurst

 Seit seiner Kindheit kennt Uwe Timm Lena Brücker. Die Frau, die jahrelang bei jedem Wetter in ihrem alten Imbisswagen stand und Currywürste servierte. Die Besten, die er jemals kostete.

Um herauszufinden, wie sie auf die Idee gekommen ist, dieses Gericht anzubieten, besuchte er über einen längeren Zeitraum die Seniorin im Altenheim, wo sie ihm bei Kaffee und Kuchen ihre Geschichte erzählt.Dabei strickt sie einen Pullover und schweift auf Kosten Uwe Timm's Nerven immer wieder ab.

Und auch wenn die eigentliche Geschichte der Currywurst sich auf den letzten paar Seiten abspielt, ist die Lebensgeschichte dieser Frau alles andere als langweilig.

 

die Geschichte

Den Beginn findet die Erzählung während dem Krieg, als die damals noch junge Lena Brücker einen noch jüngeren Mann namens Bremer kennenlernt und sich Hals über Kopf in eine Affäre mit ihm stürzte. Nach einer wilden und zugleich romantischen Nacht bleibt er bei ihr, anstatt einzurücken, er wurde fahnenflüchtig.

 

"Das ist eine Geschichte, die nur ich erzählen kann. Es gibt darin nämlich keinen Helden."

 

Und eben darum versteckte Lena ihn, aus Angst, er könnte verhaftet oder gar umgebracht werden. Tagsüber arbeitete sie als Kantinenangestellte, sie organisiere Lebensmittel und kannte sich bestens damit aus, Gericht nachzukochen, ohne die eigentlich erforderlichen Zutaten zu kennen. Alles eine Frage des Abschmeckens, wie sie sagt. Mit ihrem Bremer hatte sie eine gute Zeit. Bis sie ein Foto mit ihm und seiner Frau samt Baby fand, allesamt glücklich und strahlend wie Marienkäfer.

 

"Er kann nicht gut lügen, weil er nicht gut erzählen kann. Er kann nur gut verschweigen. Ihr Mann konnte lügen, weil er wunderbar erzählen konnte."

 

Ich weiss nicht, ob es nur mir so vorkam, aber irgendwie schien Lenas Zuneigung zu Bremer nach diesem Fund abgeschwächt. Wahrscheinlich schützte sie sich so vor einem gebrochenen Herzen. Jedenfalls hatten sie Höhen und Tiefen, bis der Krieg zu Ende war, was Lena ihm dann auch erst verschwieg. Sie wollte nicht dass er sie verliess und dennoch musste sie es ihm eines Tages gestehen. Und ihre grösste Angs verwirklichte sich; als sie nach dem Streit in ihre Wohnung zurückkehrte, war er fort. Dafür tauchte ihr Ehemann nach jahrelanger Abstinez wieder auf. Und obwohl sie ihn für seine Betrügereien sowohl im Geschäft als auch mit anderen Frauen verachtete, aktzeptierte sie ihn vorerst in ihrem Leben und sie hatten auch ihre guten Momente zusammen.

 

"Er nahm sie in den Arm und sagte: Irgendwann fahren wir einfach los, übern Atlantik fahren nach Amerika, suchen uns ne Insel. Dieses Gefühl: Ein Kribbeln im Bauch, Wellen, richtige Wellen sind was Wunderbares."

 

Mein Fazit:

Doch auch diese Beziehung fand ihr jähes Ende. Alleine, nur mit den Kindern und ohne Job, konzentrierte sich Lena darauf, selbstständig zu werden und da beginnt die Geschichte oder besser gesagt der Zufall, der zur Currywurst führte.

Wie das kam, werde ich Dir allerdings nicht verraten, aber ich lege Dir ans Herz, dieses Buch zu lesen. Obwohl die eigentliche Geschichte erst am Schluss zu Tage kommt, ist es spannend, einen Einblick ins Leben während des Krieges zu gewinnen und es ist ein  literarische Werk, das alles andere als zäh zu lesen ist!!


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Kommentare: 4
  • #1

    S.Mirli (Montag, 12 März 2018 12:04)

    Meine liebe Janine, da hat sich hier ja wieder einiges getan, dein neues Layout ist wunderschön geworden und da du dich anscheinend vermehrt aufs Thema lesen konzentrierst, werde ich hier bestimmt sehr viel Zeit verbringen und freue mich jetzt schon darauf. Der Titel hört sich erstmal lustig an und man hat ganz viele Fragezeichen auf dem Kopf, aber das könnte definitiv eine Geschichte ganz nach meinem Geschmack (wortwörtlich) sein. Ich wünsche dir eine ganz fantastische neue Woche und schicke dir ganz ganz liebe Grüße, alles Liebe, x S.Mirli
    http://www.mirlime.com

  • #2

    Christine (Montag, 19 März 2018 10:15)

    Was für eine ungewöhnliche Geschichte. Erst klingt nämlich alles nach einem klassischen Liebesroman. Da fragt man sich bei deiner Beschreibung schon fast, wann den endlich die Currywurst ins Spiel kommt. Scheint mal eine etwas andere Geschichte gewesen zu sein!

    Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hab noch ein älteres Handy, aber der Akku ist meines eigentlich recht zuverlässig. Bei Minustemperaturen im Wald muss das Ding eigentlich auch gar nicht so gut herhalten; immerhin hat da selbst der Akku meiner Profikamera so meine Schwierigkeiten. ;) Da erwarte ich von einem Handy nicht allzu viel.

    http://www.blog.christinepolz.com

  • #3

    Julia (Dienstag, 27 März 2018 18:08)

    Hallo Janine, die Geschichte hört sich toll an, wenn auch ich mir vorstellen kann, dass sie phasenweise sicher auch etwas traurig ist. Es scheint auf jeden Fall eine andere Art von Buch zu sein, als ich sonst so lese, aber mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt :) Liebe Grüße, Julia

    http://www.bracelets-and-heels.com

  • #4

    Christine (Mittwoch, 28 März 2018 11:08)

    Dankeschön für deine lieben Worte!
    Oh ja, ich bin auch sehr, sehr bereit für den Frühling. Aber wir hatten zwischenzeitlich sogar noch mal neuen Schnee... so langsam könnte es dann aber doch gerne los gehen und mehr blühen!

    http://www.blog.christinepolz.com