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Nicht ohne meine Tochter

Die Biografie im Kleid eines Romans, geschrieben von einer heldenhaften Mutter: Betty Mahmoody

 

Darum geht es:

Nichtsahnend fliegt Betty Mahmoody zusammen mit ihrer kleinen Tochter und ihrem persischen Ehemann für einen zweiwöchigen Aufenthalt in den Iran. Bereits nach wenigen Tagen muss sie feststellen, dass ihr Mann sich immer mehr verändert. Er schlägt sie und ihre Tochter und sperrt sie ein. Von einer Rückkehr in die USA ist nicht mehr die Rede. Als es Betty gelingt, Kontakt zur Schweizer Botschaft aufzunehmen, erfährt sie, dass sie das Land nur ohne ihre Tochter verlassen kann. Das aber will sie unter keinen Umständen!

Die Geschichte und Meine Meinung:

Die Geschichte beginnt locker; man lernt Betty kennen, ihre Tochter Mahtab und deren Vater Moody, als auch dessen iranische Familie. Schon bald ist man froh, nicht in Betty und Mahtabs Haut zu stecken, denn die Zustände der Haushalte Hygiene-technisch sind katastrophal! Man fühlt mit, wenn die Beiden das eklige Essen mit Parasiten herunterwürgen, sich auf den harten Betten zum Schlafen niederlegen oder sich selbst in grösster Hitze verhüllen müssen.

Und schon bald ahnt man wie Betty, dass diese "Ferienreise" weitaus mehr ist; nämlich der Versuch eines persischen Ehemanns, seine Familie in Teheran festzunageln. Er behandelt seine Frau nach ländlicher Sitte, schlägt, beflucht und unterdrückt sie. Und das Schreckliche dabei für mich war stets, dass diese gewaltlastigen Situationen keiner Autorenfantasie entsprangen, sondern bittere Realität für eine Frau in Fleisch und Blut waren. Aber das Allerschlimmste waren in meinen Augen jene Szenen, in welchen der Vater seine Tochter angriff. Passenderweise verrät die heute erwachsene Mahtab in einem Interview, dass sie ihren Vater in jenem Augenblick verlor, in welchem das Flugzeug auf iranischem Boden aufsetzte. So konnte sie ihm auch auf eine schöne Weise vergeben, was ich sehr bewundernswert finde.

 

Während einer langen Zeitspanne sind Betty und Mahtab Gefangene in einem fremden Land. Sie hangeln sich durch verschiedene Wohnungen, unterschiedliche hygienische Zustände und finden schliesslich ein schönes Haus, in welchem eine Art Normalzustand zurückkehrt. Betty hat einen "ertragbaren" Alltag, kann sich beschäftigen und gut getarnt ihre Flucht aus dem Iran planen. Es erstaunte mich, wie zwiegespalten das Land angesichts der Behandlung der Frauen ist! Teilweise erlebt man Moody und seine Verwandschaft im respektlosen Umgang mit dem weiblichen Geschlecht und dann andere Männer, die ihre bessere Hälfte würdevoll behandeln.

 

Die Flucht gegen Ende des Buches ist nur noch ein kurzer Teil, dafür aber umso packender. Und ich hätte unheimlich gerne erfahren, wie das Leben von Betty und Mahtab zurück in Amerika war. So verrät die heldenhafte Mutter in einem Interview, dass es alles andere als einfach war, unter der ständigen Angst zu leben, Moody würde seine Tochter zurück in den Iran holen, wo sie per Gesetz sein "Eigentum" wäre.

 

Der Film:

Das Buch erschien 1987, um 1991 folgte dann der Film.

Natürlich wollte ich ihn sehen, um die ganze Geschichte von Betty, Mahtab und Moody in Action zu sehen - und nicht nur in meinem Kopfkino! Leider hat mich der Film enttäuscht. Sally Field ist bestimmt eine wunderbare Besetzung für die sympathische Betty und - wie ich an dieser Stelle noch erwähnen will - meiner Meinung nach sehr hübsch. Allerdings lässt der Film (meiner Ansicht zufolge) einige wichtige Details aussen vor: Beispielsweise wird angenommen, dass der Grund für den Hass der Iraner den Amerikanern gegenüber klar ist - was zur damaligen Zeit in der aktuellen Situation durchaus legitim war, heute aber nicht unbedingt in jedermanns Geschichtswissen integriert ist! Auch die an der Flucht beteiligten Personen wechseln rasend schnell, Namen werden nicht genannt und - zumindest aus meiner Sicht - relevante Details und Personen werden ausgelassen.

 

Schade, aber ich bleibe bei meinem Kopfkino, es hat mir besser gefallen als der Film.


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