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Fee

Schwestern bleiben wir immer

Dieses Buch hat für mich eine sehr persönliche, tief emotionale Bedeutung. Jeder, der nicht mit Geschichten mitsamt einem Tod in der Familie umgehen kann, sollte die Hände von dieser Lektüre lassen. Wer sich jedoch nicht scheut, ungeheurem Schmerz zu begegnen und das ein oder andere mitfühlende Tränchen zu vergiessen, ist mit der Wahl dieser Geschichte perfekt versorgt.

 

Inhaltsangabe:

Claire und ihr Freund Jost unternehmen eine Motorradreise nach Schottland. Am Lake of Menteith haben sie ein kleines Blockhaus gemietet. Dort genießen sie die Zweisamkeit und die Schönheit der schottischen Landschaft.
Erst hier, weit weg von zu Hause, findet Claire zu einer Verarbeitung des Tods ihrer Schwester Fee, die vor kurzem, im Alter von 19 Jahren, gestorben ist.

 

Ich kann nicht beten.
Was sollte ich einem Gott sagen, der zugelassen hat, dass Fee so leiden musste?

Der kein Einsehen hatte und kein Mitgefühl?

Die Wege des Herrn sind unergründlich.

Er legt die Lebenslinen der Menschen fest und die nennen es Schicksal.

Ab ihrem vierten Lebensjahr wurde Fee zunehmend aggressiv. Ärzte stellten die Diagnose, dass sie an MPS (Mukopolysaccharidose) erkrankt war, einer seinerzeit noch weitgehend unerforschten und unheilbaren Stoffwechselkrankheit. Fee verlor ihre Sprache, ihre Bewegungsfähigkeit, sie musste gefüttert und rundum versorgt werden. Doch die Familie fand die Kraft, die Tochter zu Hause selbst zu versorgen und trotz der schwindenden Kommunikationsmöglichkeiten den emotionalen Kontakt zu ihr zu halten.

 

 

Nicht wir waren Aufsehen erregend, sondern die anderen, diejenigen , die nie mit MPS in Berührung gekommen waren. Die nie einen Rollstuhl geschoben, nie einen behinderten Menschen gestützt oder getragen haben. Die nicht einmal das Wort Behinderung aussprechen konnten, ohne zu stocken.

Alle waren darauf vorbereitet, Fee zu verlieren, nur Claire nicht. Sie verübelt ihrer Mutter, dass diese irgendwann bereit war, ihre Tochter loszulassen. Nun hat die Mutter Claire ihre Tagebücher auf die Reise mitgegeben, aus denen sie Fees Entwicklung noch einmal ganz anders als in ihrer eigenen Erinnerung Revue passieren lässt. Daraus entsteht allmählich, wie ein Mosaik, Fees Geschichte.

 

Die Geschichte & meine Meinung:

Wie oben erwähnt, habe ich eine persönliche, private Bindung zu dieser Geschichte und ich fühlte Fee auf jeder Seite. Sah sie vor mir, sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Die Story ist unglaublich traurig aber dennoch so ungemein schön. Monika Feth schreibt wunderbar; bildhaft, berührend und doch nicht langweilig sondern packend. Man versinkt in den Protagonisten, der Geschichte.

 

"Feen kommen auf die Erde, um den Menschen zu helfen. Wenn sie ihre Aufgaben erfüllt haben, dann sterben sie, genau wie wir Menschen."

 

Für Fee hatte das Licht und der Himmel eine besondere Bedeutung. Seit diesem Buch schaue ich sehr oft in den Himmel, beobachte die Wolken, deute ihre Formen, geniesse die Sonne mit geschlossenen Augen, atme die Luft und fühle, wie lebendig ich bin. Und wie dankbar ich für diesen Körper sein sollte, der gesund ist. Weil eben nicht jeder dieses Glück hat...

 

Ich glaube, Fee liebte Vögel, weil sie fliegen können. Weil sie dem Himmel nah sind. Denn Fee brauchte den Himmel. Ihr Leben war eine einzige Ansammlung von Grenzen. Aber der Himmel war weit, grenzenlos.

 

 


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