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MUSS ich das lesen??

Die schwarze Spinne, Nathan der Weise, der Schimmelreiter oder die Erfindung der Currywurst. Was haben all diese Titel gemeinsam? Es sind Literaturklassiker. Und vielen ergeht es wie mir: Man muss sie in der Schule lesen. Nicht, dass ich damit Mühe gehabt hätte, denn ich lese sehr gerne.

 

... aber wer sagt eigentlich, welches Buch zu einem Klassiker gekürt wird und gelesen werden sollte?

 

Im Internet findet man dazu viele Antworten und doch keine konkrete. Was allen „Antworten“ jedoch gleich ist: Klassiker überliefern eine zeitlose Botschaft, bleiben im Gedächtnis und haben dieses gewisse Etwas, das man nicht in Worte fassen kann.

 

Nun ja, über die Botschaft der schwarzen Spinne kann man jetzt streiten… Mir bleibt nur der grausige Moment, als die Spinne aus der Wange der Frau kletterte, für immer unschön im Gedächtnis.

 

Abgesehen von „Der Erfindung der Currywurst“ langweilten (oder ekelten) mich die angeblich grossen Literaturklassiker. Deswegen gehe ich davon aus, dass die Klassifizierung bis zu einem gewissen Grad sehr individuell geschieht.

 

Doch von der Vergangenheit in die Moderne: Wenn ich im Buchladen stehe und mich umschaue, springen mir bunte Markierungen ins Auge – Bestseller !

 

Aber…   wer verleiht eigentlich den Titel „Bestseller“?

 

Andere Zeit, gleiches Problem: Es gibt (k)eine direkte Antwort darauf, was einen Bestseller ausmacht. Ein Buch wird zum Bestseller erhoben, wenn es mehr als 100‘000 Leser gefunden hat. Eine unglaubliche Anzahl!

 

Aber wie kann der literarische Geschmack eine solche Menge an Menschen treffend angesprochen werden?

 

Wieder gibt es verschiedene Faktoren, die zusammenwirken; Nebst einer ausgefeilten Marketingstrategie sollte ein angehender Bestseller über sympathische Protagonisten verfügen, zu denen der Leser eine Beziehung aufbauen kann und es ist selbsterklärend, dass der Leser sehr gut unterhalten werden muss – der Gedanke von Langeweile darf nicht ansatzweise aufkommen! Werke von bekannten Autoren haben überdies ein leichteres Spiel, Bestseller zu werden. Bekanntes weckt schliesslich Vertrauen.

Ein Bestseller sollte auch keine Geschichte erzählen, die den Lesern geläufig ist. Dies ist jedoch schwierig ist, denn jedes Genre hat eine gewisse „gegebene“ Dramaturgie. Beispielsweise: Held trifft Prinzessin, sie verlieben sich, ein tragischer Zwischenfall bringt sie auseinander, die beiden finden wieder zueinander = Happy End. Ein Bestseller muss eine Story also frisch, neu und kreativ erzählen – kurz gesagt: er muss einen neuen Trend schaffen.

 

Ein wahrer Bestseller schafft es dann auch auf die SPIEGEL-Bestsellerliste – worauf dann auch die Antwort gegeben ist, wer den Titel verleiht. Seit über 40 Jahren ermittelt der Buchreport, eine Fachzeitschrift für den deutschen Buchhandel, diese Bestsellerliste. Dabei werden die Verkaufszahlen von 400 repräsentativen Buchhandlungen in Deutschland berücksichtigt. In der Schweiz werden hingegen nur die circa 20 grössten Buchhandlungen nach ihren Verkaufszahlen befragt.

 

Ein Bestseller ist also jenes Buch, welches am häufigsten über die Ladentheke gereicht wird. Das bedeutet natülich nicht zweifelsfrei, dass das Leseerlebnis besser ist, als bei einem unbekannten Werk!

 

Und übrigens, ein (momentaner) Bestseller wird auch nicht zwingend zum Literaturklassiker. Ausserdem seien Buchhändler vermehrt der Meinung, dass Bestsellerlisten überflüssig sind: Denn wo Menschen arbeiten, kann manipuliert werden und so ist jenen Listen nicht blind zu vertrauen.


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Kommentare: 8
  • #1

    Lea Christin (Mittwoch, 24 Oktober 2018 22:17)

    Hey :) Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und du hast mich auf jeden Fall als neue Leserin dazu gewonnen.. gerade weil ich mir selbst zum Ziel gesetzt habe dieses Jahr 12 Bücher zu lesen. Das klingt für dich wahrscheinlich nicht gerade viel, aber für jemanden der sonst maximal 2 Bücher pro Jahr gelesen hat ist das schon echt ein Fortschritt :D Das mit dem Bestseller wusste ich vorher gar nicht so genau.. es ist auf jeden Fall sehr interessant und ich freue mich auf weitere Beiträge von dir :)
    Alles Liebe, Lea von http://leachristin.com

  • #2

    Nessa (Donnerstag, 25 Oktober 2018 10:54)

    Ach ja, die guten alten Klassiker.
    Ich bin zwar eine echte Leseratte, aber in der Schule habe ich mich (ab einem gewissen Alter, denn in den unteren Klassen ist man ja noch sehr gewissenhaft) darauf beschränkt, mir die Zusammenfassungen von Don Carlos, Effi Briest, der Schimmelreiter und co. aus dem Internet zu besorgen - für gute Noten hat es immerhin gelangt *lach* Ich habe nur eines dieser Bücher nach der Schule noch mal zur Hand genommen, und das war Krabat von Otfried Preußler - das hat mir als Jugendliche schon ganz gut gefallen, ich fand es aber auch irgendwie "seltsam" und als Erwachsene war die Geschichte dann viel klarer und zugänglicher für mich. Ich finde es erstaunlich, dass so viele Bücher so beharrlich im Schulstoff verankert sind, obwohl selbst Schüler, die eigentlich gerne lesen, keine Lust darauf haben.
    Bestsellerautoren gibt es in meinem Bücherregal nicht besonders viele - ich empfinde diesen kleinen roten Aufkleber nicht als "Gütesiegel" *lach*
    Grüße
    Nessa
    https://ichdupasst.blog

  • #3

    Simone (Donnerstag, 25 Oktober 2018 20:31)

    Liebe Janine, ich habe gar nicht gewusst, dass 100 000 Leser notwendig sind für ein Bestseller. Total spannend. Ein sogenannter Bestseller springt einem gleich ins Auge, weil er markiert ist. Ich finde aber, dass es genauso viele andere Bücher gibt die lesenswert sind. Wenn ich bei Orell Füssli im Buchladen stehe verbringe ich viel Zeit mit dem lesen des Vorwort, um dann eine Entscheidung zu treffen. Liebste Grüsse

    xx Simone
    <a href="http://littleglitterybox.com/" rel="nofollow"> Little Glittery Box</a>

  • #4

    hedmee (Samstag, 27 Oktober 2018 07:36)

    Du Liebe, das war sehr interessant. Was ein Buch tatsächlich zum Bestseller macht, wusste ich noch nicht und ich hatte mir zuvor auch noch gar keine Gedanken dazu gemacht. Im Buchladen tangieren mich die bunten und großen Hinweise dazu nicht zwingend. Zu meiner Schulzeit war es noch nicht möglich, sich Zusammenfassungen eines Buches schnell mal irgendwo zu beschaffen. So musste ich die Klassiker eben doch lesen.
    Ich wünsche dir ein zauberhaftes Wochenende,
    Doreen

  • #5

    Wonderful Fifty (Samstag, 27 Oktober 2018 13:06)

    Liebe Janine, das habe ich mich in der Schulzeit auch oft gefragt – wer bestimmt eigentlich, welches Buch zum Klassiker erklärt wird und welches in den Lehrstoff aufgenommen wird? Leider gab es zu meiner Gymnasiumszeit noch nicht den Zugriff auf Online-Zusammenfassungen und so habe ich für die Buchbesprechungen diese Bücher angefangen von „Mutter Courage und ihre Kinder“, „Die Leiden des jungen Werthers“ bis „Don Carlos“ und „Weh dem, der lügt“ alles selbst gelesen, manchmal war es interessant, manchmal wollte das Buch einfach kein Ende nehmen und der Sinn hat sich mir bis zum Schluss nicht erschlossen.
    Die Definition eines Bestseller war bisher noch nicht so genau bekannt – danke für deine Beschreibung und die Erklärung. Früher habe ich immer gedacht, ein Buch wird als Bestseller definiert und war dann oft irritiert, wenn ich zu so einem Buch trotzdem keinen Zugang gefunden habe. Mittlerweile lasse ich mich davon nicht mehr beeinflussen und wähle nur Bücher, die mich in irgendeiner Form ansprechen.
    Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende und alles Liebe
    Gesa
    https://www.wonderfulfifty.at

  • #6

    Lisa (Sonntag, 28 Oktober 2018 15:50)

    Ich lese eigentlich immer nur Bücher, wo mir z.B. der Klapptext schon zusagt oder wo ich den Autor schon kenne und für gut befunden habe. Du hast Recht, nicht immer ist ein Bestseller lesenswert, gerade wenn es nur an Verkaufszahlen gemessen wird... Qualität geht ja bekanntlich über Quantität ;)

    www.schwesternduett.de

  • #7

    Mona (Montag, 29 Oktober 2018 20:50)

    Ich erinnre mich, wie ich mir mal ein Buch aus einer Bestsellerliste gekauft hatte und dann beim Lesen immer wieder rätselte, was daran ein Bestseller sein solle.

  • #8

    Shadownlight (Sonntag, 18 November 2018 12:15)

    Hey,
    ich denke es gibt wirklich Klassiker, welche davon liest man ja in der Schule und andere zähle ich von z.B. Steven King dazu, aber hier kommt es eben auch auf den Geschmack an :).
    Liebe Grüße!